Der erwiderte Blick. Subjekte in der Performance Kunst, 03.12.2012, 19:30

Charim Galerie, Dorotheergasse 12/1, 1010 Wien

Die Sektion Aesthetik der „Neue Wiener Gruppe/Lacan-Schule“ lädt Sie herzlich zum Vortrag von Noah Holtwiesche „Der erwiderte Blick. Subjekte in der Performance Kunst” ein.

Chris Burden


Sie wurde Kunst des Augenblicks genannt oder auch “Art of radical juxtaposition” (Susan Sontag) – was die Performance Kunst jedoch seit ihren Anfängen in der Nachkriegszeit stets besonders auszeichnete, war die Exponierung des Subjekts und der intersubjektiven Beziehungen zwischen Zuseher und Künstler. Dabei ist eine paradoxe Spannung zwischen der Exponierung des Subjekts und seiner Undurchschaubarkeit zu beobachten. Je mehr das künstlerische Subjekt sich in der Performance den Blicken preisgibt, umso weniger wird es von der Seite der Zuseher erfassbar, gerinnt es letztlich zum rätselhaften Buchstaben im Sinne Lacans. Ich möchte diese Dynamik der Subjektskonstitution in der Performance Kunst zunächst anhand einiger Beispiele skizzieren, um sie dann mit Bezug auch auf die Minimal Art und den epochemachenden Aufsatz von Michael Fried, “Kunst und Objekthaftigkeit” zu schärfen und tiefergehend zu diskutieren.

was ist ein rahmen? theaterpädagogischer salon, 02.07.11, 9:30 im theater an der parkaue, berlin

mit Vorträgen und Workshops von Dorothea Hilliger und Robin Arthur, Noah Holtwiesche, Christoph Scheurle,
Annette Krauss, Martin Nachbar.

Teilnahmebeitrag: 10 Euro
Anmeldung bei: karola.marsch-at-parkaue.de

Ankündigungstext:
Was ist ein Rahmen?

Jeder kennt das Phänomen: Man fährt in einem Auto durch die Straßen einer Stadt und hört Musik. Alles, was einem dabei in den Blick fällt, verschmilzt augenblicklich zu einem Filmbild, das mit Musik unterlegt ist. Ob Autofenster, wuchtiger Goldrahmen, Bühnenportal oder Kinoleinwand: Ein Rahmen markiert einen Ausschnitt. Er lenkt die Aufmerksamkeit, lässt den Betrachter Bezüge und Bedeutungen herstellen. Die zeitgenössische Theaterpraxis re- und dekontextualisiert auf ihren Bühnen und außerhalb der Theatermauern: Sie löst Orte, Texte, Songs, Diskurse, Moden, soziale Praktiken und vieles mehr aus dem gewohnten Bedeutungsrahmen und lädt den Zuschauer oder Besucher zum assoziativen Spiel. Wie lässt sich der Begriff ‘Rahmen’ gedanklich fassen? Was ergibt sich aus seiner Übertragung auf die künstlerische Arbeit mit Gruppen
unterschiedlichen Alters?

Im zweiten Theaterpädagogischen Salon geht es um die theoretische und praktische Beleuchtung dessen, was ein Rahmen – zumal ein guter – für künstlerische Vermittlungsprojekte ist. Er richtet sich an Künstler, Dramaturgen und Theaterpädagogen und versteht sich als offener Arbeitsprozess, der den Teilnehmern Anregungen für die weitere Auseinandersetzung und die eigene Praxis geben soll.

Programmablauf

09.30 Uhr Akkreditierung
10.00 Uhr Begrüßung
10.15 Uhr Input I von Dorothea Hilliger und Robin Arthur
11.00 Uhr Input II von Noah Holtwiesche
12.00 Uhr Input III von Christoph Scheurle
12.45 Uhr Mittagspause
13.45 Uhr Workshop I – IV
17.00 Uhr Eindrücke aus den Workshops
17.30 Uhr Abschlussplenum
19.00 Uhr Ende und Ausklang

Mein Vortrag:
Gerahmte Blicke: Wie viel Subjekt steckt in jedem Rahmen?

Rahmen schützen Bilder und heben sie von ihrer Umgebung ab. Doch was geschieht, wenn das Gerahmte aus diesem Schutz ausbricht, aus dem Rahmen fällt, nicht nur sich anschauen lässt, sondern dem Subjekt auf dem gleichen Feld begegnet, zurückschaut? Welche Rolle spielt dabei das Subjekt und dessen Blick? Ausgehend von Beispielen der Kunstgeschichte beleuchtet der Vortrag die subjektive und intersubjektive Dimension von Rahmungen und deren Öffnung im Prozess der Aufführung.

Mein Workshop:
Aufführungsränder – Rahmungen im Theater

Mit Rahmensetzungen, Rahmenverschiebungen und Neurahmungen bewältigen Menschen die Fülle der Eindrücke des täglichen Lebens. So ist auch das Theater voller Rahmen, die Szenen und Akte voneinander trennen, die Bühne vom Zuschauerraum, das Publikum von Akteuren, Aufführungen von Pausen. Diese Rahmen sind Ordnungsschemata und als solche nichts Reales. Sie finden vielmehr in unseren Köpfen statt. In diesem Workshop wird dem intersubjektiven Aspekt von Rahmungen anhand von szenischen Versuchsanordnungen nachgegangen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Beziehung zwischen den Akteuren untereinander und zum Publikum: Wie lässt sich mittels Rahmenverschiebungen Aufmerksamkeit generieren und verändern? Und wie können wir sowohl in der Stückentwicklung als auch in der szenischen Ausgestaltung die Beziehung zum Publikum durch das Spiel mit Rahmungen gestalten?

Gesamtprogramm und Information zu den anderen Talks und Workshops findet sich auf der Homepage des Theaters an der Parkaue.

der schleier als symptom des liberalen subjekts. zur identifizierung des unidentifizierbaren

zusammen mit ANDREA WALD

In the nomadic vision of the world, where one rejoices at the incessant circulation and exchange of bodies, it is clear that a coin can think itself the freest thing in the world: it is what circulates the most.
(Alain Badiou, Polemics)

Nackte Tatsachen
Anlässlich des Beschlusses des belgischen Parlaments, die Vollverschleierung von Frauen in der Öffentlichkeit unter Strafe zu stellen, äußerte sich die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Silvana Koch-Mehrin am 2. Mai 2010 in der Bild am Sonntag mit einem Gastbeitrag zur Burkadebatte:

Ich wünsche mir, dass auch in Deutschland – und in ganz Europa – das Tragen aller Formen der Burka verboten wird.
Wer Frauen verhüllt, nimmt ihnen das Gesicht und damit ihre Persönlichkeit. Die Burka ist ein massiver Angriff auf die Rechte der Frau, sie ist ein mobiles Gefängnis.
Die vollständige Verhüllung von Frauen ist ein aufdringliches Bekenntnis zu Werten, die wir in Europa nicht teilen.
Und ich gebe offen zu: Wenn mir auf der Straße voll verschleierte Menschen begegnen, bin ich irritiert. Ich kann nicht einschätzen, wer da mit welcher Absicht auf mich zukommt. Ich habe keine Angst, aber ich bin verunsichert.

Nehmen wir diesen Beitrag zur Debatte um den Schleier und sein Verbot zum Anlass, einige Punkte herauszustellen, die unser Thema konturieren: Continue reading

prozess

Im Theater ist “der Prozess” ein Schlüsselbegriff– und zugleich höchst nebulös. Er erfährt dort Wertschätzung, wo Menschen Theater machen, nicht trotz sondern gerade weil Andere daran beteiligt sind. Von “Kunstvermittlung” kann dann aber kaum noch die Rede sein: Theaterpädagogik heute vermittelt nicht Theater, sondern will involvieren – in den Prozess. Nicht die Initiation in den Kultus staatstragender Hochkultur ist das Ziel, sondern die Öffnung Continue reading